Lagerung und Verwendung brennbarer Stoffe

Innerhalb von Produktionsbereichen dürfen maximal die für den Fortgang der Arbeit nötigen brennbaren Materialien aufbewahrt werden. Beurteilungskriterium sollte dabei der so genannte Tagesbedarf (max. 24 h), bezogen auf eine 8-Stundenschicht, sein. Neben den eingesetzten Rohstoffen sollten auch die gefertigten Halbzeuge und Fertigprodukte beurteilt werden.

Die über den Tagesbedarf bzw. die Tagesproduktion hinausgehenden Mengen sollten in brandschutztechnisch getrennten Bereichen gelagert werden.

In Lagerräumen sollte das Lagergut so angeordnet werden, dass planmäßige Verkehrswege und damit Brandschneisen sowie Angriffswege für die Feuerwehr freigehalten werden. Die Teillagerflächen sollten dabei 200 m² und die Seitenlänge eines Stapels 20 m nicht überschreiten.

Grundsätzlich sollten für brennbare Stoffe kleine Teillagerflächen und geringe Stapelhöhen angestrebt werden.

Werden brennbare und nichtbrennbare Stoffe zusammen gelagert, empfiehlt es sich, mit den nichtbrennbaren Stoffen die Lagerflächen der brennbaren Stoffe zu unterteilen (Lagerorganisation).

Im Rahmen eines innerbetrieblichen Logistik- und Lagerkonzeptes sollten hochwertige Werkzeuge, Modelle, Halbzeuge, Fertigwaren etc. und/oder Produkte, die gegen Wärme- oder Rauchgase besonders empfindlich sind, nicht mit brennbarem Verpackungsmaterial oder ähnlichem zusammen gelagert werden.

Da Kellerbrände besonders schwer zu beherrschen sind, sollten in Kellerräumen möglichst wenig brennbare Stoffe aufbewahrt werden. Sollten Kellerräume dennoch zu Lagerzwecken genutzt werden, so sind besonders kleine Brandabschnitte vorzusehen. Für eine schnelle Bekämpfung sollten Brandmeldeanlagen, Feuerlöschanlagen und maschinelle Rauchabzugseinrichtungen installiert werden.

Brennbare feste Stoffe

Die Verwendung brennbarer Verpackungsmittel sollte möglichst eingeschränkt werden. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz von Schaumkunststoffen besonders kritisch zu überprüfen.

Für die über den Tagesbedarf hinausgehende Verpackungsmittelmenge sollte die Unterbringung in einem separaten, brandschutztechnisch abgetrennten Lagerbereich erfolgen.

Grundsätzlich sind bei der Lagerung und Verwendung von brandschutztechnisch kritischen Stoffen, wie Peroxyde, Magnesium, Natrium oder Phosphor die gesetzlichen Bestimmungen des Chemikaliengesetzes, der Gefahrstoffverordnung, der Betriebssicherheitsverordnung und der zugehörigen Technischen Regeln zu beachten. Weitere Hinweise sind den Sicherheitsdatenblättern der Produkte zu entnehmen. Gefährliche Stoffe sollten in separaten, brandschutztechnisch getrennten Räumen gelagert werden.

Brennbare Flüssigkeiten

Bisher sind brennbare Flüssigkeiten gemäß der Verordnung über brennbare Flüssigkeiten (VbF) klassifiziert. Im Rahmen der europäischen Harmonisierung des Gefahrstoffrechtes werden die Rechtsvorschriften für die stofflichen und betrieblichen Aspekte neu geordnet und jeweils in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) getrennt geregelt.

Die GefStoffV sieht für die Einteilung der brennbaren Flüssigkeiten drei Gefahrenklassen vor:

  • hochentzündlich,
  • leichtentzündlich und
  • entzündlich.

Die Zuordnung der entzündlichen Flüssigkeiten zu den Gefahrenklassen erfolgt nach dem Flammpunkt der Flüssigkeit:

  • hochentzündlich: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt unter 0° C
  • leichtentzündlich: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von 0° C bis unter 21° C
  • entzündlich: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von 21° C bis 55° C.

VbF

EU-Gefahrstoffrecht

Gefahrenklassen

Flammpunkt

A I

< 21 °C

< 0°C: hochentzündlich
< 21°C: leichtentzündlich

A II

21 °C bis 55 °C

entzündlich

A III

> 55 °C bis 100 °C

nicht mehr geregelt!

B (wasserlöslich)

< 21 °C

< 0°C: hochentzündlich
< 21°C: leicht entzündlich

21 °C bis 55 °C

entzündlich

Tabelle 4: Einstufung brennbarer Flüssigkeiten

Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von über 55° C bis 100° C sind kein Gefahrstoff in Bezug auf Entzündlichkeit im Sinne der BetrSichV.

Eine Unterscheidung hinsichtlich der Mischbarkeit mit Wasser, wie in der bislang gültigen VbF, erfolgt nicht mehr.

Die Lagerung und Handhabung brennbarer Flüssigkeiten bedarf hinsichtlich der notwendigen Sauberkeit und Ordnung besonderer Beachtung.

Für Um- und Abfüllarbeiten sind geeignete Hilfsmittel, z.B. fest installierte Pumpen und Rohrleitungen, zu verwenden.

Behälter mit brennbarer Flüssigkeit dürfen nicht in Ausgüsse und Kanäle entleert werden. Bei Verarbeitung und Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten, die leichter als Wasser sind, sowie von Flüssigkeiten mit leicht entzündlichen Lösungsmitteln (z.B. Farben und Lacke) sind vor der Kanalisation Abscheider für Leichtflüssigkeiten oder gleichwertige Sicherungen anzuordnen, um Explosionen in der Kanalisation zu vermeiden.

Brennbare Flüssigkeiten (auch Reste) dürfen am Arbeitsplatz nur in besonders gekennzeichneten Sicherheitsschränken vorübergehend aufbewahrt werden. Die Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten ist u.a. in Abhängigkeit der Gefahrenklasse, der Gebindeform und der Lagermengen in der Betriebssicherheitsverordnung und den dazugehörigen technischen Regeln (TRBS) im Detail geregelt. Dies betrifft auch notwendige bauliche und anlagentechnische Schutzmaßnahmen.

Bei der Verarbeitung und Lagerung brennbarer Flüssigkeiten ist für die Räume oder Bereiche und die Anlagenteile eine Zoneneinteilung entsprechend der Betriebssicherheitsverordnung vorzunehmen (siehe auch Brandschutzmanagement).

Die Zoneneinteilung nach der Betriebssicherheitsverordnung ist die Grundlage für eine explosionsschutzgerechte Installation der elektrischen Betriebsmittel für Licht- und Kraftanlagen.

Zur Vermeidung von Zündgefahren durch statische Elektrizität sind geeignete Maßnahmen, u.a. vollständige Erdung (Potenzialausgleich), Erhöhung der Leitfähigkeit von Stoffen etc. zu treffen. Damit die Aufladung von Anlagenteilen sicher verhindert wird, ist es eine unabdingbare Forderung, dass alle leitfähigen Anlagenteile über einen Ableitwiderstand < 106 Ohm geerdet werden.

Neben den Maßnahmen des Brand- und Explosionsschutzes sind die erforderlichen Maßnahmen des Umweltschutzes (Sammelbehälter, Auffangeinrichtungen etc.) zu beachten.

Grundsätzlich sollte geprüft werden, ob leichtentflammbare flüssige Stoffe durch nichtbrennbare Produkte oder solche mit geringerer Gefahrklasse ersetzt werden können.

Es ist anzustreben, die Produktionsanlagen (Tankanlagen, Rührwerke, Lackieranlagen Teile-Reinigungsanlagen etc.) in eigenen, feuerbeständig abgetrennten Betriebsteilen unterzubringen.

Die betreffenden Räume sollten grundsätzlich mit automatischen Systemen zur Branderkennung ausgerüstet werden. Darüber hinaus ist der Einsatz von Gaswarneinrichtungen, Einrichtung- oder Raumschutzanlagen zu empfehlen.

Absaugleitungen sind möglichst aus nichtbrennbaren, korrosionsbeständigen Stoffen herzustellen und regelmäßig instand zu halten.

Brennbare Gase

Anlagen für brennbare Gase müssen den einschlägigen technischen Regeln entsprechen. Sie dürfen nur von Fachleuten errichtet und gewartet werden.

Anlagenteile mit brennbaren Gasen müssen aus nichtbrennbaren Baustoffen, Anlagenteile mit anderen Gasen zumindest aus schwerentflammbaren Stoffen bestehen.

In Gebäuden dürfen Druckgasbehälter nur in besonders hergerichteten und in ihrer Bauausführung genehmigten Räumen mit besonderer Kennzeichnung gelagert werden. Dabei sind Behälter mit brennbaren Gasen von solchen mit brandfördernden Gasen mit einem Abstand von mindestens 2 m getrennt zu lagern.

Lagerräume für ortsbewegliche Druckgasbehälter (Druckgasflaschen) sind besonders zu kennzeichnen. Der Zugang ist Unbefugten zu untersagen.

Druckgasbehälter sollen in Betriebsräumen nur dann aufgestellt werden, wenn andere Möglichkeiten nicht in Frage kommen. Der Aufstellungsort ist in diesem Fall deutlich zu kennzeichnen. Druckgasbehälter müssen so aufgestellt werden, dass sie ausreichend standsicher sind. Leere Druckgasbehälter dürfen in Betriebsräumen nicht gelagert werden.

Die Rohrleitungen für Gase sind entsprechend ihrem Durchflussstoff zu kennzeichnen. Anlagen für Gase müssen zu anderen Gebäuden, die nicht dem Betrieb der Gasanlage dienen, sowie zu Brandlasten außerhalb der Gasanlage und zu öffentlichen Verkehrswegen ausreichende Schutzabstände einhalten.

Die Anlagen für Gase müssen frei zugänglich sein, Flucht- und Rettungswege sowie Wege zur Brandbekämpfung sind frei zu halten. Grundsätzlich sollten Anlagen zum Melden von Gasgefahren vorhanden sein.

Anlagen im Freien müssen von außen so zugänglich sein, dass eine wirksame Bekämpfung austretender Gase möglich ist. Der Zutritt Unbefugter ist sicher zu verhindern.

Gesetzliche Grundlagen

  • Gesetz zum Schutz vor gefährlichen Stoffen ChemG – Chemikaliengesetz
  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen GefStoffV –  Gefahrstoffverordnung
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes BetrSichV – Betriebssicherheitsverordnung
  • Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS)
  • Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS)

VdS-Richtlinien